Kajak-Camp an der Soča – Abenteuer zwischen Weltuntergang und Traumwasserstand

14. September 2025

Schon Tage vor der Abreise kam die bange Frage auf: Findet das Camp überhaupt statt? Der Wetterbericht kündigte nämlich nichts Geringeres als einen regelrechten Weltuntergang an. Von bis zu 100 Litern Regen innerhalb eines Tages war die Rede. Klingt nach Hochwasser, klingt nach Überschwemmung, klingt eigentlich nach „besser zu Hause bleiben“.

Aber nicht mit uns! Elf unerschrockene Paddler machten sich auf den Weg und trafen sich wie geplant am Mittwoch auf dem Campingplatz Lazar. Die Stimmung war trotz düsterer Prognosen bestens – und mal ehrlich: Ein Kajak-Camp ohne Abenteuer wäre ja auch langweilig.

 

Tag 1 – Start mit steigenden Pegeln

Das Wetter hielt, was der Wetterbericht versprach: Es regnete. Und zwar reichlich. Die Pegel stiegen aber zunächst kaum, also beschlossen wir, am Nachmittag gleich mal die Friedhofsstrecke zu paddeln. Bei 18 m³/s stiegen wir ein – noch alles im grünen Bereich.

Doch schon nach kurzer Zeit wurde spürbar, dass der Fluss an Kraft gewann. Während wir im Kehrwasser warteten, konnten wir fast live zusehen, wie der Pegel innerhalb von zehn Minuten um rund 15 cm anstieg. Da war uns klar: Wir müssen die Schlucht zügig durchfahren, bevor es ungemütlich wird. Am Ausstieg zeigte die Skala bereits 28 m³/s. Eine weitere Befahrung der Slalomstrecke ließen wir lieber bleiben. Die Entscheidung erwies sich als goldrichtig, denn über Nacht schoss der Pegel auf satte 120 m³/s – ein Wert, bei dem die meisten Strecken für uns nicht mehr in Frage kamen.

 

Tag 2 – Die Koritnica ruft

Am nächsten Mittag hatte sich die Soča auf etwa 80 m³/s beruhigt – immer noch viel zu viel für unsere üblichen Abschnitte. Aber jedes Hochwasser hat auch seine schönen Seiten: Die Koritnica, ein Nebenfluss, der im Sommer nur selten genug Wasser führt, war dank der Regenmassen paddelbar. Also nichts wie hin!

Gleich zu Beginn wartet dort ein echtes Highlight: die enge Klamm. Nur zwei Meter breit zwängt sich der Fluss durch die Felsen. Die Spannung war greifbar, so mancher schnaufte noch einmal tief durch, bevor er in die schmale Passage eintauchte. Und dann: ein kurzes, intensives Abenteuer, das uns allen im Gedächtnis bleiben wird.

Danach folgten fünf Kilometer reinstes Wildwasser, bevor wir in die Soča einmündeten. Dort herrschten immer noch satte 70 m³/s. Die Wellen wurden höher, die Kehrwässer zugiger, und der Druck im Wasser war deutlich zu spüren. Manche Gesichter sprachen Bände – zwischen Anstrengung und Begeisterung schwankte alles. Aber wir meisterten die Strecke bravourös und erreichten nach rund 15 Kilometern unseren Ausstieg in Srpenica 1 – erschöpft, aber voller Stolz.   

 

Tag 3 – Sonne, Adrenalin und Tunnelabenteuer

Der dritte Tag begrüßte uns endlich mit Sonne – zumindest am Morgen. Die gute Laune war sofort da, und wir ließen uns Zeit für ein ausgedehntes Frühstück in der warmen Morgensonne. Doch schon am Mittag juckte es uns wieder in den Fingern: Ab ins Boot, diesmal ins obere Soča-Tal.

Mit 20 m³/s erwartete uns ein Traumwasserstand für den Bunkerschwall und die nachfolgende Klamm. Die erfahrenen Paddler stürzten sich begeistert in den Katarakt, während die weniger geübten vom Ufer aus zusahen. Wurfsäcke waren zwar griffbereit, kamen aber glücklicherweise nicht zum Einsatz.

Vor der Klamm wurde die Gruppe geteilt: Einige wagten sich ins wilde Wasser, andere entschieden sich für den „trockenen“ Umweg durch einen 300 Meter langen Tunnel – Taschenlampe an, Paddel geschultert, und los! Die Fotos, die dabei entstanden, sprechen für sich: abenteuerlich, ein bisschen verrückt und absolut einzigartig.

Weiter ging es dann gemeinsam mit rund 60 m³/s bis zum Prijon-Center. Die Strecke war uns bereits vom Vortag mit höherem Pegel vertraut, bot aber dennoch jede Menge Spaß. Der Regen setzte zwischendurch wieder ein – aber ehrlich gesagt, wir merkten es kaum. Zu sehr waren wir im Flow, zu sehr konzentriert auf Wellen, Kehrwässer und Linienwahl. Pünktlich am Ausstieg riss der Himmel auf, und die Sonne verabschiedete uns. Der perfekte Moment, um den letzten gemeinsamen Abend beim Grillen, Lagerfeuer und Geschichten im Camp ausklingen zu lassen.

 

      

 

 

Tag 4 – Üben, üben, üben

Der letzte Tag stand im Zeichen des Techniktrainings. Nachdem das Packen erledigt war, ging es noch einmal ins obere Soča-Tal. Der Pegel war gefallen und bot bei bestem Mittelwasser und Sonnenschein ideale Bedingungen, um all das zu üben, was in den Tagen zuvor wegen der hohen Wasserstände etwas zu kurz gekommen war.

Also wurde fleißig traversiert, gerollt, gesurft – und ja, auch geschwommen. Die Stimmung war ausgelassen, und man spürte: Hier ging es nicht mehr ums „Überstehen“, sondern ums Genießen und Lernen. Der perfekte Abschluss für ein Camp, das uns allen noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Am Nachmittag hieß es dann endgültig Abschied nehmen. Mit müden Armen, vollen Köpfen und einem breiten Grinsen im Gesicht machten sich die Teilnehmer auf den Heimweg.

 

Fazit

Das Soča-Camp 2025 war alles andere als gewöhnlich: Wetterkapriolen, rasend schnelle Pegeländerungen, eine selten fahrbare Koritnica, Tunnelabenteuer, Traumwasserstände und jede Menge unvergesslicher Momente.

Und das Beste daran: Alle waren sich einig – nächstes Jahr wollen wir wieder!